Über uns

Unsere Organisation

Farida e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, die von Farida Khalaf initiiert, einer irakischen Überlebenden von Versklavung. Zusammen mit anderen Überlebenden des Völkermords, humanitären Helfer:innen, Aktivist:innen und Freiwilligen gründete sie Farida e.V. Farida e.V. hat die Vision, gefährdeten Menschen, Minderheiten und Völkermordsopfern eine Stimme zu geben, sie zu unterstützen und sich für sie einzusetzen.

Warum wurde Farida e.V. gegründet? 

Im August 2014 attackierte der Islamische Staat (ISIS) das Sinjar Distrikt (Regierungsbezirk Ninawa, Irak). Die größte jesidische Gemeinschaft lebt im Sinjar Distrikt; sie haben unter Jahrzehntelanger Diskriminierung gelitten und sind eine der gefährdetsten Bevölkerungsgruppen im Irak. Jesiden praktizieren eine uralte Religion. Der ISIS betrachtet Jesiden als „Teufelsanbeter“ und griff diese Bevölkerungsgruppe gezielt an (siehe Cetorelli, Sasson & Burnham, 2017).

Beim sogenannten „Sinjar-Massaker“ am dritten August 2014 wurden zwischen 2.000 und 5.500 Jesiden getötet und mehr als 6.500 (vor allem Frauen) entführt. Genaue Zahlen sind nicht bekannt. Noch heute (Juli 2020) befinden sich fast die Hälften von ihnen in Gefangenschaft. Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen hat erklärt, dass der ISIS Völkermord begangen und gegen das Völkerrecht verstoßen hat (siehe OHCHR, 2016). Während des Angriffs flohen Zehntausende Jesiden den Berg Sinjar hinauf und saßen in der Hitze des Sommers ohne Nahrung, Wasser und Unterkunft fest. Nach nur wenigen Wochen gelang es dem Großteil der Menschen, die Region Kurdistan im Irak zu erreichen. Viele Jesiden flohen über die Grenze in die EU oder andere westliche Länder (siehe Cetorelli, Sasson & Burnham, 2017).

Weibliche Überlebende der sexuellen Sklaverei durch ISIS erleben Depressionen, Traumata und Kummer. Junge männliche Überlebende leiden unter den Auswirkungen der militärischen Ausbildung, die sie absolvieren mussten (siehe HRC, 2016). Auch sechs Jahre nach dem Angriff haben die Folgen noch großen Einfluss auf das Leben vieler Menschen. 

Die Vision von Farida e.V. ist es, die Folgen des Angriffs vom August 2014 aufzuarbeiten. Farida e.V. möchte Hilfe und einen institutionalisierten Unterstützungsrahmen für Opfer von Konflikten und religiöser Verfolgung bereitstellen, indem sie das Bewusstsein für die Notlage von Geflüchteten schärft und sich für deren Stärkung einsetzt. 

Die obige Geschichte beschreibt die Situation der jesidischen Minderheit in Sinjar (Nordirak). Farida e.V. ist sich darüber bewusst, dass es andere Minderheiten gibt, die mit ähnlichen Schwierigkeiten konfrontiert sind und möchte sich auch für diese einsetzen. Von nun an will Farida e.V. Interventionen aufbauen und neue Möglichkeiten schaffen, um diese Überlebenden und andere Opfer von Kriegsverbrechen zu erreichen.

Unser Team

Farida Khalaf (Vorsitzende)

Farida ist eine Menschenrechtsaktivistin und Co-Autorin des Buches "Das Mädchen, das den IS Besiegte". Farida ist eine von mehr als 6.500 jesidischen Überlebenden der ISIS-Versklavung und des Völkermords. Geboren wurde sie im Dorf Kocho nahe Sinjar in Nordirak. Sie besuchte die weiterführende Schule, als ISIS ihr Dorf angriff, Männer tötete und Frauen und Kinder als Geiseln nahm. Farida verlor ihren Vater und ihren älteren Bruder. Sie wurde mit ihrer Mutter und ihren anderen Brüdern in Gefangenschaft genommen. Farida wurde vier Monate lang in Gefangenschaft gehalten, wo sie unvorstellbares Leid einschließlich körperlicher und seelischer Misshandlung ertragen musste. Ihre Mutter konnte neun Monate später fliehen.

Seit ihrer Flucht ist Farida wichtiger Teil einer globalen Kampagne, um ISIS Kämpfer vor Gericht zu bringen, das Bewusstsein zu schärfen und internationale Aufmerksamkeit auf den Völkermord zu lenken. Sie traf sich bereits mit vielen führenden Politiker:innen der Welt, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und eine Reihe weiterer europäischer Präsident:innen und EU-Parlamentarier:innen. Farida hat auf vielen hochrangigen internationalen Veranstaltungen in Europa und auf der ganzen Welt gesprochen. Ihr Buch "Das Mädchen, das den IS Besiegte" wurde veröffentlicht und in mehr als 14 Sprachen übersetzt. The Girls Who Beat ISIS, has been published and translated in more than 14 languages.

Farida ist die Gewinnerin des Pro Dignitate Humana Preises 2017 des polnischen Außenministers und des Marsh Award for Peacemaking and Peacekeeping von Wilton Park 2017, einer Exekutivagentur des Foreign Commonwealth Office-UK der Regierung sowie des LiberPress Award 2017. Farida erhielt außerdem den Annual Human Rights Judith Lee Stronach Award 2020. Des Weiteren wirkte sie an dem Dokumentarfilm Mit Worten gegen den IS – Eine Jesidin erhebt die Stimme mit. Farida sprach mit zahlreichen internationalen Medien, darunter BBC, SWR, Reuters, DW, RT, CBC und andere.

Saeed Qasim Sulaiman (Geschäftsführer)

Saeed ist ein Menschenrechtsaktivist und setzt sich für den Schutz von Jesiden, Christen und anderen Minderheiten ein. Dank seines Engagements und seiner harten Arbeit im humanitären Sektor von klein auf, wurde Saeed im Alter von 16 Jahren zum Leiter des Jugendzentrums in Kurdistan-Irak gewählt. Saeed verbrachte mehr als fünf Jahre damit, Geflüchtete und Binnenvertriebene zu unterstützen, und gründete 2015 eines der ersten Freiwilligenzentren im Irak. Nachdem er 2015 nach Deutschland zog hat Saeed sein Leben der Unterstützung von jesidischen Frauen und Kindern gewidmet, die die Gefangenschaft des ISIS überlebt haben. Dazu trifft er sich mit Führungspersönlichkeiten und Regierungsvertreter:innen aus der ganzen Welt. In den letzten Jahren hat Saeed ehrenamtlich im Team der Menschenrechtsanwältin Amal Clooney mitgearbeitet. Er unterstützte das Team bei zwei Prozessen gegen ISIS-Mitglieder, die wegen internationaler Verbrechen angeklagt wurden. Dies waren die ersten derartigen Fälle weltweit.

Saeed hat einen Bachelorabschluss in Politikwissenschaft der Universität Duhok und einen Masterabschluss in Development and Governance der Universität Duisburg-Essen.

Astrid Komp Vorstandsmitglied, psychologische/pflegerische Beraterin und NL-Vertreterin

Als die Krise 2014 ausbrach, hatte Astrid gerade ihren Abschluss in Krankenpflege (Bsc) und Kinderpsychologie (Msc) gemacht. Sie war als Freiwillige in Südostasien tätig. Im September 2016 begann Astrid für eine internationale humanitäre Organisation im Nordirak (Sinjar, Kirkuk, Mosul und Dohuk) zu arbeiten, um Geflüchteten und Binnenvertriebenen medizinische und psychosoziale Unterstützung zu bieten. Astrid spezialisierte sich, während sie im Irak arbeitete, mit einem Master in Internationale Humanitäre Psychosoziale Interventionen, um eine qualitativ bessere und evidenzbasierte Unterstützung bieten zu können. Sie arbeitete über drei Jahre lang bei verschiedenen Organisationen im Nordirak als Gesundheits- und Psychosozialmanagerin. Sie lernte die Grundlagen der lokalen Sprache und gewann ein großes Verständnis für die Kultur und den Kontext des Landes und dessen Geschichte. Astrid ist von den Geschichten vieler Menschen im Irak berührt und ihr ist es ein Herzensanliegen, sie in jeder Form zu unterstützen.

Astrid wurde gebeten dem Vorstand von Farida e.V. beizutreten und wird die Organisation mit ihrem Fachwissen über psychosoziale Unterstützung, Mitarbeiter:innenbetreuung und Projektmanagement beraten.

Khalid Qasim Salih Stellvertretender Geschäftsführer, Landesdirektor - Irak

Khalid lebte glücklich in Sinjar, umgeben von vielen Freunden. Er hat einen Bachelorabschluss in Ingenieurwesen und humanitärer Führung der Amerikanischen Universität Beirut und war in der Sinjar-Region tätig. Khalid ist ein humanitärer Helfer und Menschenrechtsverteidiger für gefährdete und arme Familien.

Im Jahr 2014 war er gezwungen mit seiner Familie aus seiner Heimat zu fliehen und sich in der Region Kurdistan im Irak (KR-I) in Sicherheit zu bringen, um dem Völkermord an seiner jesidischen Gemeinschaft zu überleben. Bereits wenige Tage nach seiner Vertreibung begann Khalid sich für sein Volk einzusetzen und um Hilfe für die ca. 120.000 Menschen zu bitten, die auf dem Sinjar Berg gefangen waren. Im August 2014 unterstützte er den Abwurf von Hilfsgütern aus der Luft.

Während die Krise immer chronischer wurde und länger andauerte als erwartet, begann Khalid sich mehr in gemeinschaftsbezogene Aktivitäten einzubringen. Er gründete mit anderen das Freiwilligenzentrum der Universität DuhokVolunteers of Duhok University (VDU)und brachte sich darin ein. Khalid konnte sich mit einer intensiven und guten Ausbildung durch die IAHVals Trainer zertifizieren lassen und wurde als Friedensbotschafter eingesetzt. Er trainierte Hunderte von Vertriebenen in Vertreibungslagern im Irak, um den Menschen zu helfen, das Trauma zu überwinden und Stress abzubauen. Seit 2014 arbeitet Khalid als humanitärer Helfer mit MEDAIR (einer internationalen Organisation aus der Schweiz), um den bedürftigsten Familien im gesamten Irak Hilfe zukommen zu lassen. 

Khairi Shabo Abdullah Sekretär/Vizepräsident

Als die Krise 2014 die Sinjar-Region traf, hatte Khairi gerade seinen Abschluss in englischer Sprache und Literatur an der Universität von Zakho gemacht. Nachdem er zunächst als Freiwilliger bei humanitären Organisationen gearbeitet hatte, um Teil der Bemühungen um lebensrettende Hilfe für die Binnenvertriebenen zu sein, arbeitete Khairi drei Jahre lang als humanitärer Mitarbeiter für die Organisation MEDAIR, die Vertriebenen und ISIS-Opfern im Irak half.

Nachdem Khairi nach Deutschland zog, trat er der Organisation Yazda Global als eines der Vorstandsmitglieder bei, die die Organisation in Deutschland vertritt, um die Überlebenden des Völkermordes an den Jesiden zu unterstützen und sich durch die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen für Jesiden auf der ganzen Welt einzusetzen. Seit zweieinhalb Jahren widmet sich Khairi durch die Teilnahme an Treffen und Veranstaltungen in ganz Europa der Unterstützung von jesidischen Frauen und Kindern, die die Gefangenschaft des ISIS überlebt haben. Dazu gehörte auch die Begleitung von ISIS-Opfern bei der Teilnahme an internationalen Veranstaltungen als persönliche Unterstützung und Übersetzer. Derzeit macht er ein Diplom in Büromanagement für eine Schiffsmanagementfirma.

Sanna Ali Alneamat (Direktorin für Frauenangelegenheiten)

Sanna war Studentin an der Universität Mosul, erstes Jahr im Fachbereich Geographie, 2013-2014. Sie und ihre Familie wurden am 15. August 2014 im Dorf Kucho von ISIS Kämpfern entführt. Nach vier Monaten unvorstellbaren Leidens in Gefangenschaft konnte Sanna entkommen. Nachdem sie 2015 befreit wurde, kam sie über ein Programm des Landes Baden-Württemberg für weibliche Überlebende nach Deutschland. Zwischen 2016 und 2017 nahm Sanna an vier Konferenzen der Vereinten Nationen in Genf teil. Außerdem war sie 2016 Teil einer jesidischen Delegation aus dem Irak, die eine Woche lang den Deutschen Bundestag in Berlin besuchte. 

Die Integration in die deutsche Gesellschaft und die deutsche Sprache gehörten zu Sannas Prioritäten. Sie lernte die deutsche Sprache durch die Teilnahme an Kursen und arbeitete als Freiwillige, die andere jesidische Frauen und Mädchen in deutschen Einrichtungen begleitete und ihnen beim Übersetzen half. Derzeit arbeitet sie als Dolmetscherin und unterstützt andere Geflüchtete in Deutschland.

Jamal Yazin Kheder (Direktor für Finanzen und Betrieb)

Nachdem Jamal im Jahr 2008 die Schule abgeschlossen hatte, musste er aus dem Irak fliehen, da jesidische Studierende in dieser Zeit verfolgt wurden. Als er vor 10 Jahren nach Deutschland kam, musste er seine Abschlüsse wiederholen, da diese nicht anerkannt wurden. Nach einer Ausbildung zum Sozialarbeiter und Pflegehelfer machte Jamal sein Abitur und studierte Soziale Arbeit in München. Derzeit studiert er an der Katholischen Fachhochschule München den Masterstudiengang Angewandte Wissenschaft der Sozialen Arbeit in Gemeinschaften, Netzwerken und Organisationen. Nach wenigen Jahren in Deutschland engagierte sich Jamal bereits ehrenamtlich in verschiedenen sozialen Bereichen, wie z.B. als Jugendgruppenleiter bei der Yazidis Academy Bavaria, Flüchtlingshelfer und Freizeitorganisator für Senior:innen.

Brilliant Edudzi Dziko Direktor für Strategie und Entwicklung

Brilliant ist ein Analyst für internationale Entwicklungspolitik, der seine Karriere als freiwilliger Interessenvertreter bei Curious Minds Ghana begann und dann als nationaler Koordinator für das African Youth and Adolescents Network on Population and Development (AfriYAN Ghana) mit UNFPA-Zugehörigkeit arbeitete.

Er hat einen Bachelorabschluss in Politikwissenschaft und Wirtschaft von der Kwame Nkrumah University of Science and Technology und hat als Programmassistent bei der Democratic Governance and Peacebuilding Unit des UNDP in Ghana gearbeitet. Brilliant war auch in der UNMGCY tätig und leitete das Organisationskomitee für das Jugendforum des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen im UN-Hauptquartier in New York und andere hochrangige internationale Veranstaltungen.

Derzeit macht Brilliant als Stipendiat einen Master im Rahmen des DAAD Helmut Schmidt Programms in Development & Governance an der Universität Duisburg-Essen und arbeitet als Assistenzberater für Politikforschung im Bereich der SDG beim Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in Bonn. Brilliant ist der Meinung, dass die Geschichte der ISIS-Verfolgung der jesidischen Gemeinschaft im Irak aus einem globalen Blickwinkel betrachtet werden muss und freut sich, die Strategieabteilung und das Support-Team Farida e.V. mit seiner Expertise zu unterstützen.

 

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